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BROKEN ECHOS – Eine Installation über Schmerz, Erinnerung und Verbindung

  • Autorenbild: andreageipel
    andreageipel
  • 6. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

„BROKEN ECHOS“ ist meine erste Installation – und sie ist in vielerlei Hinsicht besonders für mich. Seit April 2025 bin ich Teil der Ateliergemeinschaft umraum e.V. in der Alten Mu in Kiel. Hier treffen unterschiedlichste kreative Köpfe aufeinander – Künstler:innen, Musiker:innen, Designer:innen, Menschen, die Räume und Ideen teilen. Umso mehr habe ich mich gefreut, gleich bei einer der Listening Sessions mitwirken zu dürfen – einem Projekt, das von umraum e.V. mit Unterstützung der Stadt Kiel organisiert wird und Künstler:innen und DJs zusammenbringt, um Klang und Bild, Rhythmus und Raum miteinander zu verweben.


Gemeinsam mit Sibbedaiah, einem DJ und Fotografen aus Kiel, entstand so eine Arbeit, die für mich zutiefst persönlich ist.Denn sie verbindet zwei Themen, die mich in diesem Jahr ganz besonders intensiv begleiten: Migräne – und der Tod meines Vaters.


Schwarz-weiß Skizze eines Turms aus Rährenfernsehern, in denen verschiedene Symbolbilder des Atelier umraum gezeigt werden - Ein DJ-Pult, eine Staffelei, Sprühdosen, eine Kamera, ein Schreibtisch, eine tanzende Menge, eine gemütliche Sitzecke, Kaffe und Bier und die Fassade des Ateliers.
Atelier umraum e.V. steht für die kreative Vielfalt. Bald könnt ihr das Motiv auch auf Shirts erhalten. (Grafik: Andrea Geipel)

Vom Schmerz und vom Erbe


Anfang 2025 ist mein Vater unerwartet an einer Hirnblutung gestorben. Die Symptome so einer Hirnblutung sind denen einer Migräneattacke so ähnlich, dass er sie vielleicht gar nicht wahrgenommen hat. Mein Vater litt, wie schon meine Großmutter und wie ich selbst, an Migräne. Der Schmerz zieht sich damit durch unserer Familie und doch ist jede:r von uns ganz anders damit umgegangen. Ich bin froh in einer Zeit aufzuwachsen, in der wir mehr über diese Erkrankung wissen, mehr Leute darüber reden. Mein Vater hatte seine eigene Art, damit umzugehen: Er meditierte, atmete die Schmerzen weg, versuchte, stärker zu sein als sie.


Als wir nach seinem Tod seine Sachen durchsahen, fanden wir eine ganze Kiste voller Hämmer. Mein Vater war Lehrer für Physik, Mathematik und Informatik, aber auch leidenschaftlicher Sammler und Bastler – fasziniert von Geologie, Mineralogie und Uranglas. Die Hämmer waren Werkzeuge seiner Neugier oder ein Zeichen einer gewissen Zerstreutheit.


Für mich waren sie vor allem ein starkes Symbol: Der unsichtbare Hammer, der bei einer Migräneattacke auf meinen Kopf schlägt. Das rhythmische, dröhnende Geräusch, das in meinem Schädel widerhallt. Ich fuhr nach Regensburg, nahm dreizehn dieser Hämmer mit nach Kiel – und sie wurden zum Herzstück meiner Installation.


Schwarz-weiß Bild der 13 Hämmer aufgereiht in einem Halbkreis auf dem Holzboden.
13 Hämmer - das Herzstück von BROKEN ECHOS

Das Konzept von BROKEN ECHOS


In der Alten Mu hängen diese Hämmer nun von der Decke – schwebend, drohend. Sie stehen für das Erbe der Migräne, das sich durch Generationen zieht – ein roter Faden aus Schmerz, Stärke und Sensibilität.


Begleitet wird die Installation von einem von mir gestalteten Video, das das Gefühl des Stillstands, des Herausfallens aus dem Alltag und aus der Gesellschaft visualisiert.Ich arbeite mit Aufnahmen von Wellen, Bewegung und Überlagerungen – für mich ein Sinnbild für Migräne: die aufwühlende Bewegung und gleichzeitig der Stillstand während einer Migräneattacke.


Zwei meiner schwarz-roten Inktober-Skizzen ergänzen die Arbeit. Eines zeigt ein Gesicht, das von einem roten Faden und einer Nadel zusammengehalten wird – zersplittert, aber nicht zerstört. Das andere ein unvollständiges Puzzle, in dem Teile fehlen – so wie in Momenten, in denen der Schmerz das Denken fragmentiert.


Die Klangwelt von Sibbedaiah umrahmt die Installation: ein intensives, dröhnendes, flirrendes Soundscape, das das beklemmende Gefühl einer Migräneattacke hörbar macht. Für geräuschempfindliche Besucher:innen stellen wir Gehörschutz zur Verfügung – weil auch das Teil der Erfahrung ist: sichtbar und spürbar zu machen, was sonst unsichtbar bleibt.


Foto eines leeren Raums mit einer gelben Leiter. Daneben hängen zwei Hämmer von der Decke.
Die ersten Hämmer hängen schon. Einblick in den Aufbau der Installation.

Ein Raum für Verbindung


Mit BROKEN ECHOS möchte ich einen Raum schaffen, in dem Menschen mit und ohne Migräne einander begegnen können. Ein Raum, der Verständnis, Austausch und Empathie ermöglicht. Denn Migräne ist mehr als Schmerz – sie ist ein Teil von Identität, von Wahrnehmung, von Leben.


An verschiedenen Orten in Kiel (u.a. Kunstraum B) aber auch im Ausstellungsraum liegen Flyer aus, auf deren Rückseite Besucher:innen eigene Gedanken zu Migräne notieren können. Diese Zettel werden im Raum aufgehängt und ergeben gemeinsam ein wachsendes Bild – ein kollektives Echo aus Erfahrungen, Wahrnehmungen und Gefühlen.


Wer keinen Flyer hat, kann ihn hier als PDF herunterladen oder direkt vor Ort ausfüllen.





Termine & Ort


🗓14. November 2025 & 22. November 2025

🕔 jeweils 17–21 Uhr

📍 Alte Mu, Lorentzendamm 6–8, Kiel (Eingang über die Brunswiker Straße – direkt neben dem Brunswiker Pavillon)


Die Installation ist Teil der Reihe Listening Sessions gefördert von der Stadt Kiel und kann wunderbar mit einem Besuch der aktuellen Ausstellung They say it is love im Kunstraum B im selben Stockwerk verbunden werden.


BROKEN ECHOS ist mein Versuch, den Schmerz hörbar, das Unsichtbare sichtbar und das Schweigen spürbar zu machen. Vielleicht begegnen wir uns dort – zwischen Wellen, Licht und Hämmern.

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