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BROKEN ECHOS
AUDIOVISUELLE INSTALLATION
BROKEN ECHOS führt in die innere Topografie der Migräne – ein Zustand zwischen Überreizung, Erschöpfung und dem Versuch, inmitten von Chaos Bedeutung zu halten. Die Installation verbindet skulpturale Elemente, Video und Zeichnung zu einem Raum, der körperliche und emotionale Resonanzen erfahrbar macht.
Im Zentrum hängen zwölf Hämmer von der Decke, ein dreizehnter ruht auf dem Fensterbrett. Sie stammen aus dem Nachlass des Vaters der Künstlerin. Als Alltagsobjekte tragen sie die Spuren ihrer Nutzung, als Ensemble werden sie zu Symbolen einer familiären Linie: drei Generationen, die mit Migräne leben. Die Hämmer stehen zugleich für die schlagende, pochende Körperlichkeit der Erkrankung – für Druck, Wucht, Wiederkehr.
Ergänzt wird die skulpturale Struktur durch zwei digitale Zeichnungen auf Stoff aus der Serie *31 Threads of Pain* (Nr. 6 und Nr. 26). Fragmentierte Gesichter, gehalten von dünnen roten Fäden, zeigen Zerreißproben: Was bricht, was hält – und zu welchem Preis? Die ausgefransten Ränder lassen die Motive in den Raum auslaufen und verstärken den Eindruck eines Zustands, der nie ganz zur Ruhe kommt.
Das Videoelement der Installation zeigt überlagerte Wellenaufnahmen, verlangsamt und entgrenzt. Das Meer wird hier zu einer Metapher für Migräne: rhythmisch, unvorhersehbar, oszillierend zwischen Anspannung und Entladung. Die fließenden Bewegungen stehen im Kontrast zur Schwere der Hämmer – ein Spannungsfeld aus Druck und Weite.
Klang bildet die zweite Achse der Arbeit. In enger Zusammenarbeit mit dem Kieler DJ Sibbedaiah entstand eine Soundkomposition, die sich in vier Phasen entwickelt: Reizüberflutung, Schmerz, Rückzug, Erschöpfung. Digitale Spitzen, pulsierende Tiefen und lange Zwischenräume erzeugen eine akustische Dynamik, die den Raum formt und zugleich die Wahrnehmung der Besucher:innen moduliert. Die Möglichkeit, den Raum mit oder ohne Gehörschutz zu betreten, wird Teil der Installation: ein Spiel mit Distanz, Selbstschutz und Nähe.
Ausliegende Karten laden dazu ein, eigene Gedanken, Empfindungen oder Assoziationen zum Thema Migräne zu notieren. An den Wänden angebracht, werden diese Stimmen zu einem wachsenden Resonanzraum, der die Installation fortschreibt und den Dialog öffnet.
BROKEN ECHOS macht sicht- und hörbar, was Migräne oft unsichtbar hält: Brüche, Überlagerungen, Muster des Aushaltens. Die Installation ist ein Versuch, Schmerz in Form, Klang und Bewegung zu übersetzen – fragmentarisch, vielschichtig, offen. Die Resonanz der Besucher*innen zeigt, wie unmittelbar BROKEN ECHOS wirkt. Eine Besucherin sagte nach dem Betreten des Raums, die Kombination aus Sound, Licht und Enge fühle sich „genau so an wie Migräne“ – ein Moment, in dem Kunst und Erfahrung deckungsgleich wurden. Eine andere betonte, wie wichtig es sei, diesem unterrepräsentierten Thema endlich Raum zu geben.
KURATORISCHE REFLEXION
Dr. Elisabeth Böhm (Literatur- und Kulturwissenschaftlerin)
Andrea Geipels Installation Broken Echos hat mich sehr berührt und beeindruckt. Es ist eine starke Arbeit, die mehr Facetten hat, als sie auf den ersten Blick zeigt, die sich im Erleben, Beobachten und Besprechen im Raum öffnen und anbieten.
Die Kombination der verschiedenen Medien und Materialien lädt ein, die Teile sowohl einzeln als auch in ihrer Verbindung zu reflektieren, wobei die ästhetische Qualität immer sinnliche Eindrücke addiert. Die schwebenden Hämmer sind an sich schon faszinierend, vor dem Film jedoch scheinen sie gleichzeitig in Bewegung und als Spielelemente.
Sie hängen an fast unsichtbaren Fäden, die wiederum mit den auffällig roten Fäden der beiden Arbeiten an der Wand korrelieren. Dort durchbrechen die Fäden die Bilder und geben ihnen gleichermaßen Farbe und eine weitere Dimension, während die Hämmer von ihren in der Schwebe gehalten werden, ohne dass die Fäden als positionsgebend selbst zu sehen wären.
Diese ästhetische Dimension wird von Erlebnissen und Erfahrungen geprägt, die sich mit der Installation erzählen lassen - Erinnerung an Verbindung und Verlust, Krankheit und die Verschiebung von Wahrnehmung, Zugänglichkeit und Körperlichkeit gestaltet Andrea Geipels Installation. Sie ist ein starkes und eindrückliches Zeichen dafür, ohne darauf reduziert zu werden.
Vielmehr gelingt eine ästhetische und sinnliche Evokation von Migräne, ihrer Geschichte in der Familie und ihrer Präsenz im Körper, die mir als Besucherin eindrücklich vermittelt, wie viele Dimensionen in Krankheit stecken und wie eine künstlerische Arbeit für diese Facetten Material und Symbolwerte schafft.
RAHMENDATEN
BROKEN ECHOS ist im Kontext der "Listening Sessions" des Atelier umraum e.V., einem Format, in dem Künstler:innen und DJs gemeinsam Klang und Raum erforschen, entstanden und wurde von der Stadt Kiel gefördert.
Die Installation wurde am 14. und 22. November jeweils von 17.00 Uhr bis 21.00 Uhr im Impulswerk Alte Mu e.V. statt.
Präsentiert wurde Broken Echos in einem etwa 18 m² großen Hauptraum, während der DJ im angrenzenden Vorraum von rund 9 m² spielte. Die Projektion entstand über einen Beamer, die Hämmer aus dem Nachlass meines Vaters waren mit Haken und transparenter Angelschnur an der Decke befestigt – simple Mittel, die im Zusammenspiel eine dichte, körperliche Atmosphäre geschaffen haben.













