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(UN)GESEHEN
Ausgangspunkt der Arbeit war eine fotografische Aufnahme, die während einer Migräneattacke entstand. Das Porträt wurde in einzelne Fragmente zerlegt, ausgedruckt und auf der Leinwand neu zusammengesetzt. Durch Gel Medium verschmelzen Fotografie und Malgrund zu einer gemeinsamen Oberfläche, während die sichtbaren Zwischenräume die Fragmentierung bewusst erhalten.
Das großformatige Selbstporträt zeigt einen Zustand, der im Alltag meist verborgen bleibt. Migräne gehört zu den unsichtbaren Erkrankungen – selbst während einer schweren Attacke ist Betroffenen ihr Schmerz häufig nicht anzusehen. Das starke Schwitzen wird hier zu einem sichtbaren Ausdruck eines überreizten Nervensystems und macht etwas erfahrbar, das sonst im Verborgenen bleibt.
Gerade diese Sichtbarkeit bleibt ambivalent. Sie kann Verständnis schaffen und gleichzeitig Scham auslösen, weil starkes Schwitzen häufig mit Nervosität oder mangelnder Belastbarkeit assoziiert wird. Das Werk bewegt sich damit zwischen dem Wunsch, gesehen zu werden, und dem Bedürfnis, sich zu schützen.
Die Fragmentierung verweist auf die Erfahrung von Migräne als Zustand, der Körper, Wahrnehmung und Alltag immer wieder unterbricht. Gleichzeitig bleibt der Blick der porträtierten Person ruhig und direkt. Das Porträt zeigt keine Überwindung der Erkrankung, sondern eine selbstbewusste Präsenz innerhalb ihrer Realität.
Die pink hervorgehobenen Ohrringe stehen für Alltag, Selbstbestimmung und den Wunsch, sich zu zeigen. Migräne macht keinen Halt vor besonderen Anlässen oder Momenten, in denen Menschen sich bewusst schmücken und nach außen treten. Gleichzeitig erinnern ihre schweren Kettenglieder an die Last, die chronische Erkrankungen im Alltag mit sich bringen. Sie werden zu Schmuck und Gewicht zugleich.












