Wenn Kunst Gespräche über Migräne verändert

In den vergangenen Wochen konnte ich zwei sehr unterschiedliche Gelegenheiten nutzen, um meine künstlerische Arbeit zu Migräne gemeinsam mit Menschen aus dem Gesundheitsbereich und mit Betroffenen zu erproben: beim Culture & Health Forum in Wien und beim Gesundheitsforum in Lübeck.
In Wien stand ein partizipativer Workshop im Mittelpunkt. Rund 25 Teilnehmer:innen beschäftigten sich mit der Frage, wie Migräne wahrgenommen wird und was passiert, wenn man sich einer Erkrankung nicht nur über medizinische Informationen, sondern über künstlerische und spielerische Methoden nähert.
Wir begannen mit den spontanen Vorstellungen der Teilnehmer:innen über Migräne und bewegten uns anschließend über mein interaktives Spiel „Migräne Management“ hin zu Körperwahrnehmung und einer eigenen Körperkarte.
Eindrücke vom Workshop (Fotos: CultureAndHealth Platform's Culture and Health Forum Vienna 2026 at Kulturhaus Brotfabrik. Photographer (c) Barbara Mair – ARTS for HEALTH AUSTRIA)
Besonders eindrucksvoll war, wie sich die Gespräche im Laufe des Workshops veränderten. Das Spiel führte zu intensiven Diskussionen über alltägliche Entscheidungen und die Unsicherheit des Lebens mit Migräne. Bei der anschließenden Körperkarte entstanden sehr unterschiedliche Bilder davon, wie Migräne im Körper wahrgenommen oder von Außenstehenden imaginiert wird.
Eine Teilnehmerin mit eigener Migräne beschrieb, dass das Spiel für sie sehr nah an der eigenen Realität gewesen sei und sie oft nicht gewusst habe, wie sie diese Erfahrungen anderen vermitteln könne. Sie schickte den Link anschließend an ihren Partner und Freund:innen weiter.
Auch in Lübeck zeigte sich, dass künstlerische Arbeiten schnell Gespräche über Migräne auslösen können. Auch hier zog besonders die Körperkarte Interesse auf sich. Diesmal von medizinischen Fachpersonal.
Genau diese Momente interessieren mich für meine weitere künstlerische Forschung.
Denn mein Ziel ist nicht, medizinisches Wissen durch Kunst zu ersetzen. Mich interessiert vielmehr, was Kunst zusätzlich ermöglichen kann: Welche Erfahrungen werden sichtbar, wenn Menschen zeichnen, spielen, betrachten oder gemeinsam an einem künstlerischen Objekt arbeiten? Welche Gespräche entstehen dadurch? Und verändert sich vielleicht auch die Art und Weise, wie Menschen über chronische Erkrankungen sprechen?

Meine Erfahrungen fließen in mein Projekt "Unsichtbares sichtbar machen - Dialograum Migräne" ein. Gemeinsam mit Dr. Janne Gierthmühlen von der Interdisziplinären Schmerz- und Palliativambulanz am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein werde ich in den kommenden Monaten partizipative Workshops mit Menschen mit Migräne und Fachpersonal durchführen. Im Mittelpunkt stehen künstlerische Methoden, um unterschiedliche Perspektiven auf Migräne sichtbar zu machen. Die dabei entstehenden Arbeiten werden anschließend in einer Ausstellung am UKSH präsentiert.
Die bisherigen Erfahrungen sind noch keine wissenschaftlichen Ergebnisse. Sie sind Feldbeobachtungen aus künstlerischen Situationen. Aber sie zeigen mir sehr deutlich, welche Fragen ich weiterverfolgen möchte.
Kunst kann Wissen vermitteln. Noch interessanter finde ich jedoch die Situationen, in denen Kunst Menschen dazu bringt, ihr eigenes Wissen, ihre eigenen Erfahrungen und die Perspektive anderer neu zu betrachten.

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