Reizräume – ein Rückblick auf die Waterkant Ausstellung

Am 27. September ist die Zukunftsausstellung des Waterkant Festivals in Kiel zu Ende gegangen. Unter dem Titel „Reizräume“ habe ich dort verschiedene künstlerische und interaktive Arbeiten zum Leben mit Migräne gezeigt.
Die Ausstellung hat mich vor allem deshalb gefreut, weil die unterschiedlichen Arbeiten auf ganz verschiedene Weise genutzt wurden: zum Anschauen, Ausprobieren, Mitmachen – und vor allem als Ausgangspunkt für Gespräche über Migräne, chronischen Schmerz und die oft unsichtbaren Erfahrungen, die damit verbunden sind.

Im Zentrum stand die Frage, wie sich Migräne und chronische Überreizung sichtbar und vielleicht auch für andere nachvollziehbarer machen lassen.
Besonders viel genutzt wurde „Migräne-Management“, ein digitales „Choose your own Adventure“-Spiel, in dem man Entscheidungen aus dem Alltag mit chronischer Migräne durchspielt.
Auch das große partizipative Poster #ichhabeauchMigräne hat sich während der Ausstellung ständig verändert. Besucher:innen konnten Figuren ausmalen und so ihre eigene Spur in der Arbeit hinterlassen. Am Ende war das ursprünglich weiße Poster zu einer bunten, wachsenden Sammlung geworden. Gerade diese Veränderung hat für mich schön sichtbar gemacht, wie aus individuellen Erfahrungen etwas Gemeinsames entstehen kann.
Gallerie mit Fotos vom Poster #ICHHABEAUCHMIGRÄNE (Credits: Andrea Geipel)
Ein weiterer Schwerpunkt war mein Mal- und Arbeitsbuch „Migräne sichtbar machen“. Der Prototyp verbindet kreative Übungen, Reflexion und verständliche medizinische Informationen. Es ist bewusst weder klassisches Ausmalbuch noch medizinischer Ratgeber, sondern ein hybrides Format zwischen Kunst, Wissenschaftskommunikation und Selbsthilfe.
Die Übungen reichen vom freien Kritzeln und Visualisieren von Schmerzen über persönliche Schmerzskalen und Reflexionsaufgaben bis hin zu kreativen Zugängen zu medizinischem Wissen. Dabei geht es nicht darum, etwas „richtig“ oder besonders schön zu zeichnen. Das Buch soll vielmehr einen niedrigschwelligen Raum schaffen, in dem Betroffene ihre eigene Erfahrung wahrnehmen, ausdrücken und sichtbar machen können.
Gerade im Kontext der Ausstellung war spannend zu sehen, wie viele Menschen bei dem Buch stehen geblieben sind und sich mit den unterschiedlichen Seiten beschäftigt haben. Ergänzend lagen ausmalbare Postkarten aus, die dazu einluden, selbst aktiv zu werden, Gedanken zu hinterlassen oder ein Motiv mitzunehmen.

Die Postkarten waren sehr schnell vergriffen. Auch einige Exemplare meines Tarot-Kartensets „Je ne sais pas“ haben auf etwas unerwartete Weise den Ausstellungsraum verlassen. Letzteres war ursprünglich nicht unbedingt so geplant – gleichzeitig habe ich mich darüber gefreut. Es zeigt, dass die Arbeiten nicht nur betrachtet, sondern mitgenommen und weiterverwendet werden wollten.
Das Tarot-Kartenset beschäftigt sich mit Unsicherheit, Wahrnehmung und den schwer greifbaren Erfahrungen chronischer Migräne. Zusammen mit dem Mal- und Arbeitsbuch, dem Poster und dem interaktiven Spiel entstand so eine Ausstellung, die ganz unterschiedliche Formen des Zugangs ermöglicht hat: spielerisch, visuell, kreativ, wissenschaftlich und persönlich.

Auch von den Veranstalter:innen habe ich sehr positive Rückmeldungen zur Ausstellung und ihrer Wirkung bekommen. Für mich war „Reizräume“ deshalb nicht nur eine Möglichkeit, bestehende Arbeiten zu zeigen, sondern auch ein wichtiger Test dafür, wie unterschiedliche Formate im öffentlichen Raum funktionieren und welche Gespräche daraus entstehen.
Die Ausstellung hat mir erneut gezeigt, dass Kunst Räume öffnen kann, in denen Erfahrungen sichtbar und besprechbar werden, für die sonst oft die Worte fehlen. Genau an dieser Schnittstelle möchte ich auch in Zukunft weiterarbeiten: zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesundheit – und gemeinsam mit Menschen, die mit chronischen Erkrankungen leben.
Wie geht es mit dem Mal- und Arbeitsbuch weiter?
Der Prototyp von „Migräne sichtbar machen“ ist fertig. Jetzt suche ich einen Verlag oder passende Partner:innen, die das Projekt gemeinsam mit mir weiterentwickeln und veröffentlichen möchten. Das Buch ist derzeit noch nicht im Handel erhältlich.
Wenn du einen passenden Verlag, eine Stiftung oder eine andere Institution kennst, für die das Projekt interessant sein könnte, freue ich mich sehr über einen Hinweis. Auch wer selbst Interesse am Buch hat, kann sich gerne bei mir melden. Je mehr Interesse sichtbar wird, desto besser kann ich gegenüber potenziellen Partner:innen zeigen, dass es einen Bedarf für dieses Format gibt.


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