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Warum Partizipation ein zentraler Teil meiner Ausstellung „KOPFLANDSCHAFTEN“ ist

  • Autorenbild: andreageipel
    andreageipel
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Einer der wichtigsten Gründe, warum ich Kunst mache, ist mein Bedürfnis zu kommunizieren und der dadurch entstehende Austausch mit anderen Menschen.


Besonders bei chronischen Erkrankungen wie Migräne erlebe ich immer wieder, wie schwer es ist, innere Erfahrungen sichtbar oder verständlich zu machen. Kunst ermöglicht mir, Dinge auszudrücken, für die Worte oft nicht ausreichen: Schmerz, Reizüberflutung, Zeitverlust, Kontrollverlust, Rückzug oder Wut.


Gleichzeitig merke ich aber auch, dass meine Migräne nicht die Migräne anderer Betroffener ist. Genau darin liegt für mich eine der größten Herausforderungen im gesellschaftlichen Umgang mit Migräne. Ich habe oft beobachtet, wie schnell das Gefühl entsteht, man habe „Migräne verstanden“. Man überträgt dann einzelne Erfahrungen auf alle Betroffenen. Aber Migräne ist keine einheitliche Erfahrung. Symptome, Auslöser, Wahrnehmungen und Einschränkungen unterscheiden sich massiv.


Poster für die Ausstellung Kopflandschaften. Darauf ein schwarz-weißes Foto eines Kunstwerks aus Häkelstreifen und Strukturpaste. Der Text weißt auf den Titel der Ausstellung, Öffnungszeiten und Ort hin. Die Informationen stehen auch am Ende des Blogtets.
Poster Ausstellung KOPFLANDSCHAFTEN

Deshalb spielt Partizipation auch in meiner Ausstellung „KOPFLANDSCHAFTEN – eine künstlerische Annäherung an Migräne“ eine zentrale Rolle.


Während der Ausstellung entsteht ein partizipatives Puzzle. Schon jetzt sammle ich über Instagram und meine Webseite Begriffe, Farben, Formen und Bilder, die andere Betroffene mit ihrer Migräne verbinden. Aber auch während der Ausstellung können Besuchende vor Ort Vorschläge einreichen. Diese Eindrücke übersetze ich künstlerisch auf einzelne Puzzleteile.


Ich habe lange darüber nachgedacht, welche Form dieses Kunstwerk haben soll und ein Puzzle passte für mich einfach perfekt. Mit jedem Teil erkennt man etwas mehr. Gleichzeitig entstehen immer neue Bilder, neue Perspektiven und neue Zusammenhänge. Das Gesamtbild bleibt offen und verändert sich ständig weiter - genau wie sich die Erfahrugnen mit Migräne ständig ändern.


Während der Ausstellung plane ich auch einen Workshop, in dem Betroffene eigene Kunstwerke zu ihrer Migräne gestalten können. Dabei wurde schnell deutlich, dass viele Interessierte gar nicht aus Kiel kommen oder aufgrund ihrer Erkrankung nicht am Workshop teilnehmen können.


Deshalb habe ich zusätzlich eine Online-Galerie auf meiner Webseite eingerichtet, in der Betroffene ihre Kunstwerke teilen können.


Das digitales Schwarzlicht-Bild zeigt ein Gesicht, dass von einem bunten Streifen bedeckt ist auf dem Error 404 steht.
"Error 404" - Einreichung von Jasmin Nestmann.

Mich berührt dabei besonders, wie viele Menschen sich bereits beteiligt haben und wie groß das Interesse ist, Erfahrungen sichtbar zu machen und mit anderen zu teilen. Viele nutzen Kunst, um mit Schmerzen, Kontrollverlust oder Isolation umzugehen. Gleichzeitig entstehen dadurch neue Formen von Austausch und Sichtbarkeit.


An dieser Stelle möchte ich auch auf die Arbeit der Migraine Aura Foundation aufmerksam machen, die sich bereits seit längerer Zeit intensiv mit Migräne-Kunst von Betroffenen beschäftigt und entsprechende Arbeiten sammelt.


Auch die Begleitforschung innerhalb der Ausstellung ist bewusst partizipativ angelegt. Mich interessiert die Frage, wie Kunst gesellschaftliche Wahrnehmungen von Migräne beeinflussen kann - insbesondere im Hinblick auf Entstigmatisierung und Sichtbarkeit chronischer Erkrankungen.


Die Forschungsstationen sind deshalb bewusst niedrigschwellig und dialogorientiert gestaltet. Besucher:innen können reflektieren, wie viel sie vor und nach dem Ausstellungsbesuch über Migräne wissen, auf einer Dialogwand Fragen und Antworten hinterlassen oder auf einer Körperkarte sichtbar machen, wie sich Migräne im Körper anfühlt. Über eine „Flüsterbox“ besteht außerdem die Möglichkeit, Gedanken oder Erfahrungen aufzunehmen, die man schon immer einmal loswerden wollte - gegenüber Ärzt:innen, Krankenkassen, Politiker:innen, Angehörigen oder anderen Betroffenen.


Digitale Zeichnung eines grüngelben Hammers vor violettem Hintergrund. Unter dem Hammer sind mehrere Shilouetten von Personen zu sehen, die den Hammer aufhalten.
Aus der Serie "Je ne sais pas". Das Motiv kann während der Ausstellung als Postkarte zu erworben werden.

Für mich ist genau dieser Austausch einer der wertvollsten Teile des gesamten Projekts.

Ich habe durch die Ausstellung bereits jetzt unglaublich viele spannende Menschen kennengelernt, berührende Nachrichten erhalten und erlebt, wie wichtig Räume sein können, in denen Betroffene sich gesehen fühlen und ihre Erfahrungen teilen können.


Wenn Du selbst von Migräne betroffen bist, freue ich mich weiterhin über Begriffe, Farben, Bilder oder Gedanken, die Du mit Deiner Migräne verbindest - ganz egal ob als kurzer Satz, spontane Idee oder fertiges Kunstwerk. Beiträge für das partizipative Puzzle oder die Online-Galerie können per Mail eingereicht werden.


Und natürlich freue ich mich über alle, die die Ausstellung besuchen, mitdiskutieren, Fragen stellen oder einfach neugierig vorbeikommen möchten.


KOPFLANDSCHAFTEN – eine künstlerische Annäherung an Migräne

📅 3.–13. Juni 2026 | MO-SA 11-18 Uhr

📍 Pop-up Pavillon Kiel, Alter Markt 17

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